Buchvorstellung Alfred Roßner

„Wer nur ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt.“

Falkensteiner Jugendliche auf den Spuren von Alfred Roßner

Da Frau Dr. Hannah Miska Anfang September ohnehin zu Gast in Falkenstein war, besuchte sie am 03.09. auch gleich den Deutsch-Unterricht der Klasse 9a. Für die Schüler ist die Autorin bereits eine gute Bekannte, denn vor 2 Jahren hatte sie dieser Klasse ihr Buch „So weit wie möglich von hier“, in dem sie Zeitzeugenberichte von nach Australien ausgewanderten Holocaust-Überlebenden verarbeitete, vorgestellt. Diese Buchlesung hatte die Jugendlichen damals tief beeindruckt. Besonders die Geschichte von Kitia Altmann beschäftigte die Schüler noch lange nach dem Kennenlernen ihres bewegenden Schicksals.

Kitia Szpigelman, so hieß die Zeitzeugin in ihrer Kindheit und Jugend, überlebte nämlich nur, weil ein Falkensteiner sie (und zahlreiche Leidengenossen) gerettet hat. Und nicht nur das beeindruckte die jungen Leute. Alfred Roßner (geb. 1906 in Falkenstein), der ähnlich wie der viel bekanntere Oskar Schindler Juden vor der Vernichtung schützte, indem er ihnen auf vielerlei Weise half, war in seiner Kindheit Schüler im Gebäude unserer heutigen Trützschler-Oberschule. Als Unternehmer war er während des Zweiten Weltkrieges in einer arisierten Textilfabrik tätig. In der Firma, ansässig im oberschlesischen Ort Będzin, wurden Wehrmachtsuniformen hergestellt. Produziert wurden diese von jüdischen Angestellten. Wer Arbeit hatte, hatte die Chance dazu, den Deportationen in Konzentrationslager zu entgehen. Junge Leute, die in Roßners Betrieb arbeiten durften, wurden zu Ernährern ihrer Familien – und konnten die eigenen Eltern meist doch nicht vor einem schlimmen Schicksal bewahren.
Roßner half, wo er nur konnte. So rettete er viele Menschenleben. Sein eigenes Leben konnte er jedoch nicht retten. Er bezahlte einen hohen Preis für sein menschliches Handeln, denn er war ins Visier der Gestapo geraten, wurde beobachtet, 1943 verhaftet und starb am 18.12.1943, einen Tag nach seinem 37. Geburtstag, unter ungeklärten Umständen im Gestapo-Gefängnis.
Die von ihm beschützten Menschen kamen in Konzentrationslager. Kitia kam nach Auschwitz. Aber sie überlebte. Nach dem Krieg ging sie weit weg von Europa und fand in Australien eine neue Heimat. Dort erzählte sie Frau Dr. Miska ihre Geschichte und zwischen beiden Frauen entwickelte sich eine Freundschaft. Kitia Altmann initiierte, dass der Falkensteiner Alfred Roßner 1995 in Israel als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt wurde. Diesen Titel verleiht der Staat Israel (auch posthum) jenen Menschen, die Juden halfen und dabei das eigene Leben gefährdeten (oder sogar verloren). Im Melbourner Holocaust-Museum ist eine Kopie des Zertifikates für Alfred Roßner zu sehen.
Nun, 2 Jahre nach der Vorstellung dieses Buches, hatte die Schriftstellerin ihr neues Werk im Gepäck. Wobei das so nicht ganz richtig ist, denn das Buch selbst gibt es noch gar nicht. Erst im Oktober wird es gedruckt erscheinen. Am 14.10. wird es dann im Falkensteiner Heimatmuseum präsentiert. Dass Frau Dr. Miska noch vor der offiziellen Veröffentlichung selbst den Wunsch geäußert hatte, gerade dieser Klasse aus ihrem Manuskript vorzulesen, beeindruckte die Jugendlichen ganz besonders.
Mittlerweile hat die Autorin nämlich weiter recherchiert. Roßners Geschichte ließ ihr keine Ruhe und so befragte sie Zeitzeugen, fuhr in Archive, studierte Akten und sammelte, was an Material zu bekommen war. Aus dem, was sie über Roßners Leben und seinen Tod in Erfahrung bringen konnte, machte sie ihr neues Buch. Manches, was da im Unterricht zu hören war, konnte man nur schwer aushalten. So wurde z.B. von einer Massenhinrichtung berichtet. Die Verurteilten waren Polen und Juden, denen die eigenen Familienangehörigen die Schlingen umlegen mussten. Auch das Erhängen der Söhne, Brüder und Väter mussten die Angehörigen selbst durchführen. Das zu hören, auch wenn es schon Jahrzehnte her ist, lässt einem den Atem stocken – so erlebten es auch die Neuntklässler in dieser besonderen Unterrichtsstunde.


Frau Dr. Miska konnte den Schülern auch Bildmaterial zu Alfred Roßner zeigen.
Für die Schüler der Trützschler-Oberschule versah unser Gast ein Exemplar des Werkes „So weit wie möglich weg von hier“ mit einer berührenden Widmung: „Zur Erinnerung an Alfred Roßner, der auf diese Schule gegangen ist. Er war einer von wenigen Deutschen, der angesichts von Ausgrenzung und Diskriminierung Anderer nicht wegschaute, sondern geholfen hat: Er hat Menschenleben gerettet. Wir können alle sehr stolz auf ihn sein.“
Zitieren wir abschließend Kitia Altmann, die von Roßner gerettete Jüdin, die hochbetagt im vergangenen Jahr verstorben ist: „Aber dennoch – ich denke, dass meine Lebensgeschichte eigentlich nicht von Brutalität handelt, sondern in einer seltsamen Weise eine Geschichte tiefer Menschlichkeit ist.“ mawohl