Neuntklässler beim Israel-Tag in Leipzig

Neuntklässler der Trützschler-Oberschule Falkenstein beim Israel-Tag in Leipzig

Zu einer nicht alltäglichen Veranstaltung reisten die Neuntklässler der Trützschler-Oberschule Falkenstein nach Leipzig. Dort fand an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig der Projekttag „Israel anders kennen lernen“ statt. Eingeladen hatten das Sächsische Staatsministerium für Kultus und die Botschaft des Staates Israel in Deutschland. Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, sowie Jeremy Issacharoff, der israelische Botschafter, übernahmen die Schirmherrschaft über diese Veranstaltung. Beide Politiker waren auch selbst in Leipzig vor Ort und suchten den Dialog mit den Jugendlichen, die aus allen Teilen Sachsens angereist waren.


In erster Linie wollen ISRAEL-Tage deutschen Jugendlichen Einblicke in den israelischen Alltag bieten. Um mehr über Israel erfahren zu können, wurden verschiedene interessante Workshops durchgeführt. Jeder Veranstaltungsteilnehmer konnte nach eigenen Interessen zwei davon besuchen. Im Angebot waren „Nationale Sicherheit aus israelischer und deutscher Perspektive“, „Facetten der israelischen Zivilgesellschaft“, „Israel – die einzige Demokratie im Nahen Osten“, „Von der Orange zu High-Tech-Industrie“, „Real Life in Israel“, „Vielfalt der Religionen“, „Facetten der israelischen Zivilgesellschaft“, „Jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern und Iran“ sowie „Krav Maga“. Letzteres ist ein israelisches Selbstverteidigungssystem, das bevorzugt Schlag- und Tritttechniken nutzt. Auch Entfesselungsgriffe gehörten zum Programm. Dieser Workshop, in dem man Krav Maga Basics vom Profi lernen konnte, zog die meisten der jungen Falkensteiner an. Man bekam u.a. vermittelt, dass Stärke und Größe nicht alles sind. Alle Teilnehmer waren sich darüber einig, dass dieses Training ihnen viel für die eigene Selbstsicherheit gebracht hat.
Doch auch an den anderen Veranstaltungen nahmen Schülergruppen teil und erfuhren dort viel Wissenswertes über das befreundete Land, seinen überaus interessanten Alltag sowie das leider nicht immer konfliktfreie Zusammenleben verschiedener Kulturen auf engem Raum.
Der Workshop zur nationalen Sicherheit wurde von Norman Sehmisch, Jugendoffizier der Bundeswehr, durchgeführt, der zunächst über seinen eigenen Einsatz in Afghanistan berichtete.
Per Skype wurde zu Arye Sharuz Shalicar, Major d.R., nach Israel geschaltet, der als Jude im Berliner Wedding aufwuchs, zunächst bei der Bundeswehr diente, später nach Israel auswanderte und dort als Offizier in der Armee tätig war. Heute arbeitet er beim israelischen Ministerium für Nachrichtendienste. Auch er stellte sich bereitwillig den Fragen der sächsischen Schüler.
Die nationale Sicherheit, so betonten beide Referenten, war im Staat Israel von Anfang an eine zentrale Frage und wird auch in Deutschland immer wichtiger. Die Herausforderungen für Israel kamen und kommen dabei durch die Bedrohung des Landes von außen. In Deutschland ist das anders, denn hier muss man in erster Linie nach innen schauen. Rechter und linker Extremismus sowie Islamismus wurden als Risikofaktoren dabei benannt.
Dabei schätzte der israelische Gesprächspartner ein, dass der israelische OTTO NORMALVERBRAUCHER sich erstaunlicherweise sicherer fühlt als OTTO N. in Deutschland. In Israel vertraut man den Sicherheitskräften des Staates anscheinend einfach mehr als in unserem Land.
Zusammenfassend wurde im Laufe der interessanten Diskussion mit den Sicherheitsfachleuten festgestellt, dass sich die Situation in ganz Europa verändert und manchmal regelrecht auf den Kopf gestellt wird. Internationale Krisen und Konflikte wirken sich immer spürbarer auf ganz Europa aus. Der internationale Terrorismus wird quasi „vor die eigene Haustür getragen“. Umso wichtiger ist es, dass die freien Länder Gemeinsames finden und gut zusammenarbeiten, denn die Bedrohungen (z.B. durch Terror) sind für alle ähnlich.


Am Nachmittag fand eine Fishbowl-Diskussion statt. Ministerpräsident Michael Kretschmer und Botschafter Jeremy Issacharoff stellten sich den teilweise sehr kritischen Fragen der jungen Veranstaltungsteilnehmer zur Politik des Staates Israel sowie zur aktuellen politischen Lage in Sachsen. Da auch viele Chemnitzer Schüler zugegen waren, wurden die Vorkommnisse der letzten Wochen natürlich immer wieder thematisiert. Ministerpräsident Kretschmer betonte, dass es trotz aller Differenzen wichtig ist, mit a l l e n Teilen der Bevölkerung im Gespräch zu bleiben. Miteinander zu reden – das ist ganz wichtig!
Die Falkensteiner Schüler hatten ihre Sorgen zur aktuellen Situation in unserem Bundesland sowie ihre Hoffnungen für die Zukunft im Gemeinschaftskunde-Unterricht aufgeschrieben. Auch einige Eltern beteiligten sich daran.


Die Mappe mit diesen Notizen übergaben Laura Kreizer und Max Lucas Herold (beide aus der Klasse 9a sowie Mitglieder des Schülerrates der Trützschler-Oberschule) dem Ministerpräsidenten. Nun sind natürlich alle sehr gespannt auf die Antwort aus Dresden. mawohl