„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ (aus dem TALMUD)

Diana Baumbach

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Stolpersteinverlegung 08.05.2026

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Dieser Satz ist die Idee hinter der Verlegung von Stolpersteinen. Der Künstler Gunter Demnig hatte diese Art der Erinnerungskultur vor über 30 Jahren ins Leben gerufen - kleine Gedenksteine mit Messingplatten, die dort verlegt werden, wo Opfer des Nationalsozialismus zuletzt freiwillig gelebt hatten. In 31 europäischen Ländern liegen inzwischen mehr als 100 000 Stolpersteine. In Falkenstein waren es bisher 19 (4 für ermordete Kommunisten, 15 für jüdische Familien). Nun kamen 7 neue Steine hinzu. Sie befinden sich allesamt auf dem Gehweg vor dem Wohnhaus an der August-Bebel-Straße 55 - dort, wo die jüdischen Familien Goldstein und Feldklein einst ihr Zuhause hatten. Die Inschriften auf den Messingplatten erzählen von den tragischen Schicksalen der sieben Falkensteiner, deren Namen sie nun unvergesslich machen. Jacob Leib Goldstein und seine Tochter Ruchla Rosel Feldklein wurden in Konzentrationslagern ermordet, Ruchlas Ehemann Moritz Feldklein sowie Abraham Alex und Lena Goldstein überlebten zwar, mussten aber Entrechtung im Ghetto sowie Internierung im Zwangsarbeitslager bzw. KZ durchmachen. Nur die erst siebzehnjährige Chana Goldstein konnte 1938 nach Palästina fliehen.

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Am Morgen des 08. Mai 2026, dem Gedenktag, an welchem sich die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa zum 81. Mal jährte, fand an der August-Bebel-Straße 55 eine bewegende Gedenkzeremonie statt. Umrahmt von den eindrucksvollen Klängen jiddischer Lieder trugen Schülerinnen aus der Wilhelm-Adolph-von-Trützschler-Oberschule die Lebens-geschichten jener sieben Menschen vor, an die fortan vor deren ehemaligem Wohnhaus erinnert wird. Schüler aus der Trützschler-OS waren es auch, die die Steine im Gehweg verlegten. Die Jugendlichen wirken im aktuellen Falkensteiner Spurensuche-Projekt mit und befassen sich in diesem Zusammenhang mit Erinnerungskultur. Menschen nicht zu vergessen, ihre Namen sichtbar zu machen, „mit den Augen zu stolpern“ über die Vergangenheit - all das steht im Mittelpunkt dieses Projektes, welches derzeit vom Begegnungszentrum „Vitamin B“ in Zusammenarbeit mit der Trützschler-Oberschule durchgeführt wird. Vor allem junge Menschen sollen damit erreicht und ihr Blick für die Geschichte geschärft werden. Dass bei der Veranstaltung zahlreiche Jugendliche anwesend waren, ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

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Doch es gab an diesem Vormittag im Anschluss an die Stolpersteinverlegung noch einen weiteren Höhepunkt. Auf dem Gelände zwischen der Trützschler-OS und dem Begegnungszentrum wurde ein Baum gepflanzt. Es handelt sich um eine kleine Rosskastanie. Was ist in diesem Zusammenhang berichtenswert? Nun, auch dieses Ereignis hat etwas mit Erinnerungskultur zu tun. Denn vor diesem Baum wird ab sofort eine kleine Gedenktafel an einen Falkensteiner erinnern, der als Kind im Schulgebäude lernte und später, als Textilunternehmer im polnischen Ghetto Będzin zahlreiche Menschenleben rettete und dafür mit seinem eigenen Leben bezahlte - Alfred Roßner (1906 – 1943), der Jahrzehnte nach seinem Tod als Gerechter unter den Völkern geehrt wurde. Diese Würdigung ist die höchste Ehrung, die der Staat Israel - natürlich nach sehr genauer Prüfung - an Nichtjuden vergibt, die unter Gefahr für das eigene Leben und ohne Gegenleistung verfolgten Juden Hilfe geleistet haben. Weltweit gibt es nur 28 707 Menschen, die so geehrt wurden (Stand 2024), darunter 666 Deutsche. Roßner ist der einzige Vogtländer, dem dieser Ehrentitel zuerkannt wurde.

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Schüler der Trützschler-OS hatten sich im Spurensuche-Projekt „Wer ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt.“ über mehrere Jahre mit Roßners Leben sowie den Schicksalen von ihm geretteter Überlebender befasst und waren dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass das Gedenken an diesen stillen Helden mitten in unserer Stadt sichtbar gemacht werden müsste. Doch wie sollte das geschehen? Auf dem Friedhof erinnert eine Stele an ihn. Aber v.a. junge Leute kommen dort eher selten vorbei. So reifte in den damaligen Projektteilnehmern die Idee, dass man vielleicht ein Erinnerungsbäumchen pflanzen könnte. Und dies ist nun geschehen. Zu Grußworten des Bürgermeisters sowie des Schulleiters, wieder musikalisch umrahmt, wurde der Baum ins Erdreich gesetzt. Dazu wird noch eine Gedenktafel angebracht. Mit dieser Form der Erinnerung an einen mutigen Falkensteiner - auf dem Schulgelände, also wirklich mitten in der Stadt - da, wo Roßners Lebensweg begann und wo täglich viele junge Leute sind - schließt sich der Kreis und fand somit ein langjähriges Geschichtsprojekt seinen guten Abschluss. Und wieder wirkten Schülerinnen und Schüler aus dem Gebäude, das auch Roßners Schule war, mit. Der Baum und die Gedenktafel sind Erinnerung und Mahnung zugleich für uns alle, nie den moralischen Kompass zu verlieren, menschlich zu handeln und jedes Leben zu achten. Vor allem junge Menschen werden dies von nun an auf dem Schulhof täglich wahrnehmen können. Wie könnte Erinnerungskultur wirkungsvoller sein?

Mit mahnenden Worten von Pfarrer Graubner, einem Gebet sowie dem von den Anwesenden gemeinsam gesungenen Lied „Hevenu schalom alejchem … / Wir wünschen Frieden euch allen …“ endete das generationenübergreifende Erinnern an diesem denkwürdigen Tag.

 

Martina Wohlgemuth

Geschichtslehrerin i.R. / ehem. Projektleiterin des Schülerprojektes über Alfred Roßner

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