Projekt "Berichte über Gewalt"
Eindringlich, intensiv und lehrreich: Das Projekt „Berichte über Gewalt“ an unserer Oberschule Falkenstein
Wie entsteht Gewalt, wie fühlt sie sich an und welche Spuren hinterlässt sie? Mit diesen sensiblen und tiefgründigen Fragen setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9 und 10 vor Kurzem intensiv auseinander. Im Rahmen des Projektes „Berichte über Gewalt“, das von der Agentur „Mensch, aber wie!“ ins Leben gerufen und durch die Unfallkasse Sachsen großzügig unterstützt und gefördert wurde, erlebten die Jugendlichen einen Schultag der ganz besonderen Art.
Im ersten Teil der Veranstaltung durften die zehnten und neunten Klassen authentischen Berichten beiwohnen. Die geladenen Probanden teilten mutig traumatische Gewalterlebnisse mit und beleuchteten das Thema dabei aus völlig unterschiedlichen Perspektiven. Besonders eindrucksvoll war der Wechsel der Blickwinkel. Die Jugendlichen hörten sowohl Berichte aus der Opfersicht, die von Hilflosigkeit, Angst und den langfristigen psychischen Folgen erzählten, als auch Schilderungen aus der Tätersicht, die Einblicke in die Dynamiken, Rechtfertigungen und das spätere Bereuen von Gewalttaten gaben. Diese schonungslose Ehrlichkeit berührte die Schülerschaft tief und sorgte für eine spürbare, respektvolle Stille im Raum.
Während und nach dem emotionalen und fordernden Vortragsteil wurden die Jugendlichen nicht allein gelassen. Das Konzept des Projektes sah ausreichend Zeit vor, um das Gehörte strukturiert und geschützt zu verarbeiten. Eine wichtige Stütze bot hierbei die Schulsozialarbeit, die den Schülerinnen und Schülern über den gesamten Tag hinweg als emotionaler Rückhalt zur Seite stand.
Die Aufarbeitung erfolgte durch einen detaillierten, methodisch vielseitigen Nachbereitungsplan. Die Schülerinnen und Schüler zogen sich in ihre gewohnten Klassenverbände zurück, um sich nochmals intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen
In verschiedenen Phasen wurde das Thema bearbeitet. Zunächst bekam jeder in der Einzelarbeit Raum, um die eigenen Gedanken und Gefühle zu sortieren. Im anschließenden Gruppenaustausch und beim Erstellen gemeinsamer Mindmaps wurden die verschiedenen Facetten von Gewalt visualisiert und besprochen. Besonders greifbar wurde die Thematik durch sogenannte Skalierungsaufstellungen, bei denen sich die Schüler im Raum positionierten, um eigene Grenzen und Wahrnehmungen von Gewalt sichtbar zu machen. In den abschließenden Diskussionen spiegelte sich mitunter eine reife und tiefgründige Reflexion wider.
Insgesamt war das Projekt eine überaus eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Thematik Gewalt. Es hat den Jugendlichen nicht nur die verheerenden Folgen von Aggression vor Augen geführt, sondern auch wichtige Impulse für Zivilcourage, Empathie und ein gewaltfreies Miteinander im Schulalltag gesetzt. Ein großer Dank gilt den Protagonisten der Agentur „Mensch, aber wie!“ sowie der Unfallkasse Sachsen, die dieses wichtige Präventionsprojekt an unserer Schule ermöglicht hat.